Die narzisstische Mutter...

...wie es sich als ihr Kind anfühlt.

Erzeugt dieser Satz ein gewisses Unbehagen in dir?

So als ob dir jemand mit voller Wucht seine Faust in die Magengrube schlägt, du das aber nur in Zeitlupe und dumpf wahrnimmst? Dir wird ein wenig schwummrig im Kopf, es saust und brummt wie in einem Bienennest? Deine Hand an der Maus will rechts oben zum Kreuz „Klick- weg damit“ und gleichzeitig hast du den Link geöffnet und liest diese Zeilen.

Einem Teil in dir wird übel, ein anderer Teil wird sehr traurig, einer wird wütend, ein Teil (oder sogar mehrere) spürt das alles kaum und will DAS um alles in der Welt nicht wahrhaben. Und du fühlst dich schuldig.

Schuldig allein nur, weil du diesen Satz liest.

Das alles können Zeichen sein, dass deine Mutter narzisstische Züge aufweist oder eine narzisstische Störung hat.

Eine narzisstische Mutter dreht sich um sich selbst. Wie schon in „Narziss und Goldmund“ beschrieben, ist sie in ihr eigenes Spiegelbild verliebt. Sie hat die Fähigkeit für echtes Mitgefühl und Bezogenheit zu jemand anderen verloren. Ihr eigenes Selbstbild wurde so stark verletzt, dass sie zutiefst verunsichert ist und deswegen ihr Kind dazu benutzt, sich selbst zu stabilisieren.

 

Von diesen typischen Verhaltensweisen erzählen Klienten:

  • Sie ist unfähig, Wärme, Schutz und Geborgenheit zu vermitteln.

  • Schon mal einen kalten und harten Eisblock umarmt?

  • Sie überschreitet ständig meine Grenzen.

  • Sie kontrolliert mich.

  • Sie ist nie wirklich da für mich, betont aber, wie sehr sie sich für mich  aufopfert.

  • Sie schreibt mir vor, wie ich mich zu verhalten habe.

  • Wenn ich schlechte Noten nach Hause bringe oder mich anders verhalte als die Norm, schämt sie sich in Grund und Boden und macht mir das Leben zur Hölle.

  • Bei Kritik tickt sie völlig aus.

  • Sie lügt.

  • Sie macht mich schlecht, erniedrigt mich.

  • Sie muss ständig im Mittelpunkt stehen.

  • Sie ist neidisch und eifersüchtig.

  • Sie entschuldigt sich nicht.

  • Sie nimmt mich und meine Bedürfnisse nicht wahr.

  • Sie untergräbt meine Wahrnehmung der Wirklichkeit.

  • Sie streitet ab, verdreht und manipuliert.

  • Sie sabotiert meine Beziehungen, mein Glück, meine Freude.

  • Dinge, die ich ihr im Vertrauen erzähle, benutzt sie, um mich zu verletzen.

  • Sie benimmt sich wie ein kleines Kind.

  • Sie zwingt mich in die Erwachsenenrolle oder hält mich absichtlich klein und abhängig.

  • Sie gibt mir für alles die Schuld.

 

Einige Beispiele:

Eine Party voll im Gange. Alkohol fließt. Ein Streit. Das 17-jährige Mädchen läuft weinend nach Hause. Ihr Freund - völlig außer sich - fährt ihr nach, packt und schlägt sie und verschwindet wieder. Sie läuft völlig verstört weiter, sieht schon den Zaun des sicheren elterlichen Gartens und atmet auf. Ein Auto hält mit quietschenden Reifen neben ihr. Er steigt aus, zerrt sie vom Gartenzaun und schlägt sie noch einmal. Schock und Watte und Verzweiflung und Fassungslosigkeit sind ihre Begleiter in den nächsten Tagen. Was der Mutter unbemerkt bleibt. Auch der blaue Handabdruck im Gesicht. Die anderen blauen Flecken versteckt unter der Kleidung. Vor ihrem feinfühligen und geliebten Papa kann sie es nicht verstecken. Trotzdem traut sie sich erst nach 2 Tagen zu erzählen, was los ist. Papa wird stinkwütend: „Dieser Kerl setzt mir keinen Fuß mehr in dieses Haus.“ Die Reaktion der narzisstischen Mutter: „Er  wird schon seinen Grund gehabt haben.“

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Sie kann dich nicht von Herzen in den Arm nehmen. Und wenn sie überhaupt in den Arm nimmt, dann nur ganz kurz und es fühlt sich kalt und hart  an.Du versuchst es immer wieder, weil du dich so sehr nach ihrer Wärme und ihrer Umarmung sehnst. Dann hältst du sie im Arm wie einen steifen Stockfisch, gefolgt von einem kurzen Küsschen links und rechts auf die Wange, einem „Patsch-Patsch“ ihrer kalten Hand auf deinem Rücken und schon drückt sie dich von sich weg und raus aus dieser Enge.

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Sie schert sich einen Dreck um meine Privatsphäre. Kommt ohne Klopfen in dein Zimmer. Sagst du zu ihr, dass du das nicht willst, antwortet sie: „Das ist mein Haus und ich habe das Recht dazu.“  Wenn du absperrst, macht sie einen Höllenterror vor der Türe. Sie liest dein Tagebuch. Sei ruft bei deinen Freunden an, schnüffelt dir nach und will, dass du sofort nach Hause kommst, obwohl du 20 Jahre alt bist. Leider wohnst du noch zu Hause.

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Irgendwann kotzt es dich an (meistens beginnt das in der Pubertät), ständig kontrolliert, bevormundet oder mit Desinteresse bedacht zu werden. Und du traust ich und  knallst es ihr hin. Wie scheiße du dich fühlst, wie sehr sie dich unter Druck setzt und wie gern du dein Leben leben möchtest. Eine ihrer Verhaltensweisen kann sich so äußern, dass sie den Spieß umdreht und dir Vorwürfe macht, wie ungerecht du doch zu ihr bist. Sie wollte nur, dass du es besser hast wie sie. Sie ist immer in die Arbeit gegangen, damit du ein tolles Leben hast, studieren kannst etc. Sie hat sich aufgeopfert für dich. Und du bist jetzt so gemein zu ihr, nach allem, was sie dir ermöglicht hat. Und schwupps, schon fühlst du dich schuldig (und wütend! Das drückst du aber weg…).

 

Unsicherheit, Instabilität, Selbstabwertung – die Folgen:

Durch die nicht vorhersagbaren, übergriffigen und abwertenden Launen einer narzisstischen Mutter, bleibt im Kind ein Gefühl von Unsicherheit zurück. Du verlernst zu lachen und verstummst bei Wut. Du bist andauernd am Abchecken, wie Mutter grad drauf ist und passt dich ihren Stimmungen an. Du lernst nicht, deinen Gefühlen zu vertrauen und entwickelst kaum Gefühl für dich selbst. Durch verachtende Blicke und verbale Verletzungen wird dein Selbstwert vernichtet. Du traust dir selbst nicht über den Weg. Du ziehst dich in dich zurück. Du willst nirgends anecken, stehst nicht für dich und deine Belange ein. Nein sagen und Grenzen setzen scheint fast unmöglich.

 

Wege aus dem Gefühlschaos:

Ein erster Schritt ist immer, zu erkennen, dass es da eine narzisstische Mutter gibt.

Auch wenn das erst mal noch negiert wird, denn die eigene Mutter als Narzisstin zu bezeichnen, ist eine der ersten Herausforderungen auf dem Weg zu einem unabhängigen Selbstbewusstsein. Schon allein gesellschaftlich ist eine Beschuldigung, dass die Mutter böse/narzisstisch/gewalttätig war, kaum aussprechbar. Von einem Kontaktabbruch ganz zu schweigen. Man muss doch Frieden schließen und verzeihen und um alles in der Welt versuchen, sein Ego, seine Wut zu besänftigen und im Kontakt bleiben. Die arme Mutter, was fühlt sie bloß, wenn sie vom Kind verlassen wird. Bullshit! Das löst nur noch mehr Schuld- und Schamgefühle beim eh schon missbrauchten „Kind“ aus.

Ein nächster Schritt ist eine Therapie, in der du lernst (Hand in Hand mit deinem inneren Kind), dir und deinen Gefühlen zu vertrauen.

In der du Unterstützung und Halt erfährst und all die "guten Mutter Aspekte" körperlich, psychisch, emotional und spirituell  nachgenährt werden. All die Schmerzen und das zugefügte Leid seine Würdigung erhalten. Und die Freude, die Begeisterung, die Neugier und das Ausprobieren gefördert, begleitet und mit aller Liebe bis ins Erwachsen sein des inneren Kindes gefestigt werden. Und das sind riesige Schritte zu einem völlig neuen, unabhängigen und verbundenen Lebensgefühl. In der biodynamischen Körperpsychotherapie erfährst und erlebst du das bis tief in die Zellen.

Diese körperliche Erfahrung kann keine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie leisten.

Und vielleicht befriedet sich der Prozess mit der realen Mutter durch die körperpsychotherapeutische Arbeit oder es wird ganz klar, dass es so nicht mehr geht. Dass du dir und dein inneres Kind sich diese miese Behandlung nicht mehr gefallen lassen und du den Kontakt abbrichst. Weil du weißt und spürst, dass es dort keine Liebe zu holen gibt. Den Unterschied erkennst zwischen Abhängigkeit und Liebe.

Und du dich ab sofort selbst an die erste Stelle setzt!

Das wünsche ich von ganzem Herzen dir und jedem Menschen, der diese erschütternden Erfahrungen mit einer narzisstischen Mutter machen musste.

Dare to face it. Dare to be brave. Dare to be you.

Alles Liebe Elke

 

Text: © Elke Hannig

Foto: Pixabay - Kira Hoffmann - glasscheibe-glas-kaputt-1497231

Buchempfehlungen: Heinz-Peter Röhr - Narzissmus & Wege aus der Abhängigkeit

 

 

 


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