Für alle schwarzen Schafe: "Du bist der Traum aller deiner Vorfahren."

 
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Für alle schwarzen Schafe:
“Du bist der Traum aller deiner Vorfahren.”


"Die sogenannten" schwarzen Schafe "der Familie sind in eigentlich auf der Suche nach Wegen der Befreiung für den Stammbaum. Diejenigen Mitglieder des Baums, die sich nicht an die Regeln oder Traditionen des Familiensystems anpassen, diejenigen, die ständig danach strebten den Glauben zu revolutionieren, gehen entgegengesetzt der Wege, die von Familientraditionen geprägt sind, diejenigen, die im generellen kritisiert, geprüft und sogar abgelehnt wurden.

Sie sind aufgerufen, den Stammbaum von den sich wiederholenden Geschichten zu erlösen, die ganze Generationen frustieren. Die schwarzen Schafe, diejenigen, die sich nicht anpassen, diejenigen, die schreien, rebellieren, reparieren, entgiften und schaffen einen neuen, blühenden Zweig ... unzählige unerfüllte Wünsche, unerfüllte Träume, frustrierte Talente unserer Vorfahren manifestieren sich in ihrer Rebellion, die sich abspielt.

Der Familienstammbaum wird durch Trägheit weiterhin den Kastrations- und Giftverlauf seines Stammes aufrechterhalten wollen, was seine Aufgabe schwierig und widersprüchlich macht... damit dich niemand bezweifelt, kümmere dich um deine 'Seltenheit' als die wertvollste Blume deines Baumes.

Du bist der Traum aller deiner Vorfahren "


~ Bert Hellinger

Dieser Text hat mich volle Breitseite erwischt.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind schon das Gefühl hatte, dass das, was wir in unserer Familie lebten KEIN Leben ist. Und das gefiel mir so gar nicht!

Ich wuchs in einem Haus gemeinsam mit meinen Großeltern und Eltern auf. Alle schwer traumatisiert und in ihrem Verhalten geprägt durch die Folgen des Krieges und ihrer Flucht aus Sudetendeutschland. Durch verlorene Erstgeborene, Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung und Gleichgültigkeit. Weitergegeben von Generation zu Generation.

Und ich? Ich war durstig nach Leben. Ich wusste tief in mir, da gibt es noch etwas anderes.

Ich kämpfte gegen die Mauern des Schweigens an, ich versuchte meinen Großeltern klar zu machen, dass es noch etwas anderes gibt, wie arbeiten, Heimarbeit, arbeiten, Heimarbeit, arbeiten. Sie fuhren NIE in den Urlaub. Ich rebellierte gegen die Enge ihres christlichen Glaubens und für die Offenheit des Buddhismus, lehnte mich gegen jegliche dogmatische Weltsicht auf.

Und ich spürte immer schon: So bin ich nicht! (Sternzeichen: Revolutionärer Wassermann)

Ich rannte Türen ein, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und es da draußen Liebe und Menschen gibt, die ihnen die Hand reichen, wenn sie nur ein Stück weit die Tür zu ihrem Hochsicherheitstrakt öffnen. Ich war so verdammt verzweifelt, weil ich nicht zu ihnen durchdrang und nichts anderes erntete als Missachtung, Erniedrigung und Ablehnung. Sie konnten es nicht sehen und sie sahen mich nicht.

Ich fühlte mich gefangen in einem Gefängnis, das ich nicht gebaut hatte.

Als ich meinen ersten Freund hatte, wurde ich von meinem Großvater als Hure betitelt. Ich begann heimlich zu rebellieren, nicht mehr innerhalb der Familie, sondern in meinem Leben. Mein Mofa war mein Freiheitsymbol, nirgendswo fühlte ich die unendlichen Möglichkeiten, die das Leben zu bieten hatte, mehr als beim Gas geben und davon rauschen. Ich stahl mich oft nachts davon, nur um mir auf meinem Mofa den Wind um Nase wehen zu lassen und den Sternenhimmel zu sehen.

Ich schwänzte die Schule, fälschte Unterschriften, schmiss das Gymnasium. In meinen 20ern tauchte ich in die Technowelt, der Extase und des "Tanzens bis die Sonne wieder schien" ab. Dort fühlte ich mich unendlich frei. Zuhause, den Rausch bis spät in den Nachmittag ausschlafend, war ich wieder zurück im gewohnten Gefängnis, als das schwarze Schaf im Stall. Das tat weh. Und da war Scham. So viel Scham. Wut. Trauer. Angst. Verzweiflung. Das schwarze Schaf der Familie zu sein und schmerzvoll mit ansehen zu müssen, dass sie nicht aus ihrem Gefängnis herauswollen. Und jedes einzelne Mal, wenn ich etwas anders gemacht habe, wie sie, versuchten sie mich zurückzuhalten.

Was mich als schwarzes Schaf noch ausmacht?

  • Eine Therapie zu machen (Gehirnwäsche und gefährlich fürs Familiensystem)

  • Selbstständig zu sein und keine Beamtenlaufbahn gewählt zu haben

  • Die Architektur hinzuschmeißen und meiner Berufung folgen

  • Der Verkauf meiner Wohnung und das Geld in meine Heilung und in die Ausbildung zur Körperpsychotherapeutin zu investieren

  • Den Kontakt zu meiner Familie abgebrochen zu haben, um mich und mein inneres Kind - während ich heil werde - zu schützen

  • Alleine klar zu kommen (d.h. zeitweilig auch ohne Partner zu leben)

....to be continued...

Heute weiß ich, dass ich ihre Träume lebte und lebe. Und es für sie zu schmerzhaft war, sich ihre eigenen unverwirklichten Träume und die damit verbundenen Traumata anzusehen. Das tu ich nun für sie seit 13 Jahren. Und ich habe ihnen verziehen.

Sie haben nicht mich bekämpft. Sie bekämpften ihre eigene Angst.

Ich liebe mein Leben und ich liebe den Durst danach in mir zu spüren und ihn zu stillen. Mit gelebten Träumen und in Verbundenheit von Körper, Seele und Geist. Es ist nicht immer einfach, dafür ist es lebendig und frei. Ich bin immer noch ein wenig rebellisch. Das haben Wegbereiter oder schwarze Schafe so an sich.

Von schwarzem Schaf zu schwarzem Schaf: Geh weiter, folge deinem Herzen, weil nichts das Gefühl ersetzt, frei zu sein (und du bist nicht alleine ♥)

Welche ungelebten Träume deiner Vorfahren verwirklichst du?

Elke

Text: © Elke Hannig
Foto: Pixabay the-black-sheep-3702973_1920

 
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